Rezension: Macht und Ohnmacht in den deutschen Wirtschaftswissenschaften

Heterodoxie

Im allgemeinen Sprachgebrauch ist Heterodoxie eine Lehre, die von der offiziellen Kirchenlehre abweicht. Für strenggläubige Vertreter der offiziellen Lehre (griechisch orthodoxía=Rechtgläubigkeit, Strenggläubigkeit) ist Heterodoxie dann auch gleichsam eine Irrlehre. Das griechische heterodoxía heißt aber zunächst einmal nur: verschiedene Meinung. Verschiedener Meinung sein, anderer Meinung sein (heterodoxein) zu dürfen erscheint aber nicht nur für das friedliche Zusammenleben innerhalb und zwischen verschiedenen Relegionsgemeinschaften existenziell. Für die Wissenschaft sind verschiedene Meinungen geradezu Voraussetzung dafür, alte Erkenntnisse zu prüfen und neue Erkenntnisse zu gewinnen. Was für die Naturwissenschaften heute aber selbstverständlich ist, scheint noch lange nicht für die Wirtschaftswissenschaften in Deutschland zu gelten, folgt man Arne Heise, Henrike Sander und Sebastian Thieme in ihrem Buch “Das Ende der Heterodoxie? Die Entwicklung der Wirtschaftswissenschaften in Deutschland”. Den großen Bogen spannend, differenziert und akribisch zugleich untersuchen die Wissenschaftler das komplizierte Geflecht, das darüber bestimmt, welche Lehre zur herrschenden wird.

Brexit: Gabor Steingart versteht Handel als Einbahnstraße

Die Reaktionen der einschlägigen deutschen Medien auf die Regierungserklärung der britischen Premier-Ministerin Theresa May zum Brexit waren vorhersehbar. So wie es die Reaktionen auf das Interview der Bild-Zeitung und der Times mit Trump waren (siehe hierzu unsere Analyse hier). Grundlage für das weit verbreitete Unverständnis, das deutsche Journalisten und Politiker der Argumentation Trumps und Mays entgegenbringen, ist, wie wir gestern erst wieder erläutert haben, das Ausblenden des Außenhandelsüberschusses, den Deutschland mit dem Rest der Welt erzielt. Und das, obwohl dieser international nicht erst von Trump und May angeprangert wird, sondern seit vielen Jahren von verschiedensten Institutionen und Regierungen, auch unter Obama (siehe hierzu eine unserer Analysen aus dem Jahr 2015 mit weiterführenden Literaturhinweisen zu vorangegangenen Beiträgen zum Thema hier oder direkt zur wiederholten Kritik des US-Finanzministeriums und der vorhersehbaren Reaktion der Bundesregierung hier). Eine Erklärung dafür, warum Politik und Medien in Deutschland sich so konsequent auf dem einen Auge blind zeigen, liefert heute früh – sicherlich ungewollt – der Herausgeber des Handelsblatt, Gabor Steingart.

Aufregung über Trump und Hammond: Deutsche Meinungsführer betriebsblind

Die Aufregung in Deutschland ist groß: Der neu gewählte US-Präsident Trump nimmt, noch nicht einmal im Amt, schon die deutschen Exportüberschüsse ins Visier. So auch der britische Finanzminister Hammond. Kann es aber wirklich überraschen, dass gerade die Regierungen der beiden Länder, mit denen Deutschland seine höchsten Handelsüberschüsse erzielt, gegen Deutschland aufbegehren?

Der Deutschlandfunk und die SPD: Wie Journalismus und Politik versagen

Ansich hatten wir gehofft, an dieser Stelle das Interview der Woche besprechen zu können, das der Deutschlandfunk mit Sigmar Gabriel geführt und gestern augestrahlt hat. Sigmar Gabriel ist in Personalunion Partei-Vorsitzender der SPD, Bundesminister für Wirtschaft und Energie, Vizekanzler der Bundesrepublik Deutschland und möglicher Kanzlerkandidat der SPD für die in diesem Jahr anstehende Bundestagswahl. Allein, das Interview ist von Frank Capellan von Beginn so anbiedernd und nichtssagend geführt worden, es verbleibt bis zum bitteren Ende so sehr an der Oberfläche, dass es inhaltlich kaum etwas zu besprechen gibt. Ein besonders trauriges Stück Journalismus. Vielleicht ein weiteres Beispiel dafür, dass nicht nur so genannte fake news – falsche Nachrichten -, die keineswegs ein alleiniges Phänomen der sozialen Netzwerke sind, sondern leider auch etablierter Medien, ein Problem sind, sondern auch no news – keine Nachrichten. Vielleicht macht das Interview darüber hinaus einmal mehr deutlich, dass eine zu große Nähe von Journalisten zu Politikern der kritischen Interview-Führung mehr schadet als nützt. Frank Capellan bringt diese Nähe fast kindlich naiv zum Ausdruck, wenn er sich mit den Worten an Gabriel und die Zuhörer des Deutschlandfunks wendet: “Ich möchte gerne erzählen, dass ich mit Ihnen im vergangenen Jahr in Marokko war.” Das größte journalistische Versagen liegt darin begründet, dass versäumt wird, kritische Fragen zu stellen, die sowohl auf den Nägeln brennende, weil die Lebenswirklichkeit vieler Menschen betreffende Themen und Zusammenhänge ansprechen, als auch nach der damit verbundenen politischen Verantwortung der Interviewten fragen. Im Interview mit Gabriel wird dieses Versagen besonders deutlich, wenn es um die AfD geht. In einem Interview, das Doris Simon nur wenige Tage zuvor mit dem stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden der SPD und Haushaltspolitiker, Carsten Schneider, für den Deutschlandfunk geführt hat, versäumt es die Moderatorin wiederum eine wesentliche Aussage Schneiders zu hinterfragen. Auch das lenkt von zentralen politischen Entwicklungen und deren Ursachen ab, indem no news produziert werden, und verhindert damit nicht zuletzt zu erklären, warum die AfD von Erfolg zu Erfolg eilt, was uns wieder zum Gabriel-Interview zurückführt. Wir können vergleichbares bei der Berichterstattung über Trump oder über Putin beobachten, wollen die unten stehende Analyse aber nicht überfrachten…Der Deutschlandfunk und die SPD: Wie Journalismus und Politik versagen (vollständiger Beitrag im Abonnement)

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Drittmittel korrumpieren die Hochschulforschung – Von Wolfgang Lieb*

Unter dem Tarnwort “Autonomie” wurde im deutschen Hochschulwesen ein Systemwechsel von der sich selbstverwaltenden Gruppenuniversität zur “unternehmerischen” Hochschule vollzogen. In “funktionell privatisierten” Hochschulen entscheiden “Vorstandsvorsitzende” (so damals das LHG B-W 2005) “autonom” über Strategie, Personalentwicklung, Stellenumwidmungen oder Leistungsbezüge. “Führungspersönlichkeiten” aus der Wirtschaft dominieren die Hochschulräte (Röbken/Schütz, die hochschule 2/13, S. 96ff. [99]). In Baden-Württemberg waren nach offiziellen Angaben im Jahre 2012 von 251 Hochschulratsmitgliedern 134 Führungskräfte der Wirtschaft als frei schwebende, niemand verantwortliche Aufsichtsräte tätig. Profitorientierte private Agenturen entscheiden (in verfassungswidriger Weise) über Studiengänge und deren Qualität.

Mindestlohn: Mindestlohn-Rechner der Bundesregierung verrät mehr, als ihr lieb sein kann

Mindestlohnrechner-Screenshot 1 - 13-01-2017

Die Bundesregierung bietet ihren Lesern online einen Mindestlohn-Rechner an. Unter Eingabe Ihres derzeitigen Stundenlohns (brutto) und Ihrer Arbeitszeit pro Woche errechnet der Mindestlohn-Rechner Ihr Monatsgehalt. Darüber hinaus können Sie unter Eingabe Ihres derzeitigen Monatsgehalts (brutto) und Ihrer Arbeitszeit pro Woche Ihren Stundenlohn berechnen. Der Mindestlohn-Rechner weist dann auch aus, um wieviel Euro und Cent die berechnete Größe über oder unter dem derzeit geltenden Mindestlohn von 8,84 liegt. Der Mindestlohn-Rechner verrät dabei mehr, als der Bundesregierung lieb sein kann. Zumindest, wenn man weiß, wie hoch der Mindestlohn 2017 sein müsste, um verteilungsneutral und existenzsichernd zu sein. Beides haben wir gestern erst auf Basis nachvollziehbarer Daten berechnet…Mindestlohn: Mindestlohn-Rechner der Bundesregierung verrät mehr, als ihr lieb sein kann (vollständiger Beitrag im Abonnement)

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Mindestlohn: Wie hoch er 2017 sein müsste, um verteilungsneutral und existenzsichernd zu sein

Vor fast genau einem Jahr haben wir mit Hilfe von Daten aus den Berechnungen zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) für das Jahr 2015 und weiteren Ausgangsdaten berechnet, wie hoch der Mindestlohn 2016 hätte sein müssen, um verteilungsneutral und existenzsichernd zu sein. Heute hat das Statistische Bundesamt die ersten Ergebnisse für das BIP 2016 veröffentlicht. Gemeinsam mit weiteren Ausgangsdaten können wir nunmehr berechnen, wie hoch der Mindestlohn 2017 sein müsste, um verteilungsneutral und existenzsichernd zu sein. Erfüllt der aktuelle Mindestlohn diese Voraussetzungen? Er ist zum Januar 2017 von 8,50 Euro brutto je geleisteter Arbeitsstunde auf 8,84 Euro erhöht worden…Mindestlohn: Wie hoch er 2017 sein müsste, um verteilungsneutral und existenzsichernd zu sein (vollständiger Beitrag im Abonnement)

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